Dienstag, 23. April 2013

RAUM - Emma Donoghue

Jack ist fünf Jahre alt, seine Lieblingszahl ist 5 und er mag keine grünen Bohnen.
Ein ganz normales Kind also? Nein, eben nicht. Seine Mutter wurde mit 19 Jahren entführt und seitdem in einem umgebauten, schalldichten Schuppen gefangengehalten. Dort leben sie und ihr Sohn, der außer seinem "RAUM" nichts anderes kennt.
Jeder Tag folgt einem bestimmten Muster. Um die gleiche Zeit aufstehen, frühstücken, baden, Mittagessen gibt es immer um 12 und Abendbrot um 6 Uhr Abends. Zwischendrin machen sie Sport, nicht wie wir es kennen, denn dazu reicht der Platz auf 16 m² nicht aus.
Für Jack existiert außer dieser Welt nichts weiteres, seine Welt ist keine Scheibe, sondern ein einziger Raum mit Badewanne, Herd, einem Bett, einem Schrank und einer Komode. Nur der Fernseher ist die Verbindung nach draußen. Aber "Fernseher" ist nicht echt, die Menschen sind flach und man kann zwischen verschiedenen Planeten wählen. Es gibt einen Doktorplanet, einen mit einem roten Sofa und einer Frau drauf und einen mit Dora, ein Fisch, der mit ihm redet und auf Abenteuer geht. Aber zu viel fernsehen darf er nicht, denn fernsehen macht das Gehirn weich und matschig, sagt seine Ma.
Jeden Abend um kurz vor neun legt sich Jack zum Schlafen in den Schrank, denn um neun Uhr piept die Tür und dann kommt "Old Nick". "Er macht das Bett quietschen" und Jack zählt mit.
Morgens ist der Müll weg, den sie neben die Tür stellen und es gibt neues Essen und am Sonntag, wenn Jack und Ma brav waren ein Sonntagsgutti.
Doch dann ändert sich alles.


Emma Donoghue schreibt diesen Roman aus Sicht des fünfjährigen Protagonisten. Dieser fällt besonders durch seine Sprache auf, denn er unterscheidet nicht zwischen Personen und Gegenständen. Für ihn hat nichts im Raum einen Artikel, alles nur einen Namen, so wie Ma, oder er (Jack), Raum, Tisch, Bett, ....
Die Geschichte selbst ist sowohl komisch, als auch erschreckend. In dieser kleinen Welt, in der Jack aufwächst, findet er sich zurecht, denn alles hat ganz einfache Regeln, an die er sich halten muss und seine Mutter hat immer für ihn Zeit, außer sie ist mal wieder einen Tag "verschwunden".
Die Autorin beschreibt hier auf sehr fesselnde Art, wie sich das Leben in Gefangenschaft auf unterschiedliche Menschen auswirkt. Jacks Mutter kennt die Welt "im Draußen", wie Jack sie nennt, denn sie ist dort aufgewachsen und kennt die Freiheit. Jack selbst dagegen ist in diesem Raum geboren und ist sich nichteinmal von der Existenz eines Raumes oder einer Welt um seine eigene eingeschränkte Welt herum bewusst. Er fühlt sich dort sicher.

Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, trotz der sprachlichen Eigenheiten, die mit dem fünfjährigen Erzähler einhergehen.
Mir sind allerdings immer wieder einige Ungereimtheiten aufgefallen. Auf der einen Seite spricht Jack wie ein kleiner Junge, auf der anderen Seite allerdings kann er auch schwere Fremdwörter verstehen und schreiben oder sogar beim Spiel "Papagei" den Personen im Fernsehen ganze Sätze und Argumentatonsketten in den Mund legen. Da fragt sich der Leser wohl berechtigt, woher er diese Worte alle gelernt hat und weiß, wie sie anzuwenden sind und warum er im normalen Gespräch so viele Fehler macht. Selbst wenn er diese Fremdworte im TV aus irgendwelchen Sendungen gelernt haben sollte, bleibt noch die Frage, woher er weiß, was sie alle bedeuten, denn seine Mutter kann ihm nicht alles erklärt haben. Wie soll seine Mutter ihm zB die Landwirtschaft erklären, wenn Lebensmittel für ihn alle aus der Dose kommen?! Man kann einem Blinden schließlich auch nicht die Farben erklären.

Ich habe das Buch in etwa drei Tagen durchgelesen, obwohl ich kein besonders schneller Leser bin, da es mich wirklich gepackt hat. Trotzdem bekommt es von mir wegen der vielen Unstimmigkeiten nur 3 Sterne.



Fazit: Ein schönes Buch für alle, die sich ein bischen für Dramen und Psychologie interessieren.

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