Sultana ist Prinzessin aus dem Hause Al Saud. Sie lebt mit ihren zwei Töchtern, ihrem Sohn und ihrem Mann in Riad zwischen Tradition, Islam und westlich orientiertem Gedankengut.
Immer wieder gerät sie mit ihrem Mann in Diskussionen über die Rechte der Frauen in Saudi-Arabien und die Erziehung ihrer Kinder. Als Frau hat sie selbst keine Rechte, oder zumindest nur wenige, da das einzige Gesetz, dass ihr Heimatland kennt der Koran ist.
Sie ist impulsiv, lässt sich nicht von ihren Ideen abbringen und hat für ihre Kinder, wie auch ihre Schwestern immer ein offenes Ohr.
Dieses Buch berichtet mit einer Portion Sarkasmus und Selbstironie über das Leben Muslimischer Frauen in Arabischen Ländern. Die Erzählerin selbst ist tief in ihrer Religion verwurzelt, aber trotzdem überzeugt, dass sie nicht einer Verweltlichung ihres Landes im Weg steht. Sie fordert die Lockerung der Gesetze, Rechte für die Frauen und trotzdem ist der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens traditionell durch Familie und Religion geprägt.
Ihre Erzählungen lassen in das Leben muslimischer Familien einblicken, auch wenn es sich hierbei um eine reiche, überdurchschnittliche Familie handelt. Manche Riten mögen uns makaber erscheinen, vielleicht aber auch etwas belustigend oder fast lächerlich, für sie selbst ist es aber ihr eigenes Leben. Rituelle Beschneidungen von jungen Mädchen, Vergewaltigungen durch Ehemänner, eheliche Gewalt, Mehrehen, Ehen auf Zeit oder auch fanatische Familienmitglieder sind für sie kein Grund zum Schweigen.
Besonders befremdend und schon komisch finde ich es, als sie ihre Vorbereitungen für ihre Pilgerreise beschreibt. Immer wieder muss sie neu starten und sich erneut reinigen, weil sie gleich innerhalb kurzer Zeit wieder gegen die Regeln verstößt.
Das Buch lässt sich sehr angenehm lesen. Mit teilweise sahara-trockenem Humor und viel Mitgefühl für ihre Glaubensschwestern weiht sie den Leser in ihre Welt ein. Vorteile, Nachteile, Makarbres, Trauriges, Schockierendes. Um ihr Handeln und das ihrer Menschen begreifbar zu machen greift sie immer wieder auf Zitate aus dem Koran zurück, was mir persönlich recht gut gefällt.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat, jedoch nicht nur traditionelle muslimische oder arabische Zitate, sondern auch westliche Dichter oder sogar Buddha oder "ganz normale Frauen" hinterlassen ihre Spurem im Buch.
Alles in allem ein gutes und interessantes Buch für alle, die sich für Frauenrechte oder andere Kulturen und Religionen interessieren. Etwas enttäuscht war ich doch, denn ich hatte erwartet, dass Sasson mehr über Sultanas Töchter schreibt, doch widmet sie allen beiden nur ein Kapitel, genauso auch ihrem Sohn. Sie schreibt weniger über sich und ihre eigenen Töchter als über ihre Schwestern und Bekannte. Natürlich spielen ihre Kinder eine große Rolle in diesem Buch, zumal sie immer wieder Einfluss nehmen und Teil ihres Lebens sind, von dem sie erzählt.
Fazit: Das Buch ist ein absolutes Muss. Schön handlich, um es auf einer Zugfahrt zu lesen. Allerdings ist es kein Unterhaltungsbuch, dass man mal schnell zwischendurch lesen kann.
Buchtitel: ICH, Prinzessin Sultana, und meine Töchter
Originaltitel: Princess Sultana's Daughters
Autor: Jean P. Sasson
Verlag: Weltbild
ISBN: 9783868003451
Preis: 4,95€
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